Environmental Enrichment,  Verhalten

Der Tag der Freiheit

So, an diesem frühen Morgen war es nun endlich soweit: Haru sollte die Möglichkeit bekommen, Freigang zu haben. Schon am Abend zuvor hatte ich die kurze Seite der Balkonsicherung aufgerollt damit er von dort über die Dächer in den Nachbarsgarten hüpfen könnte. Ob er dies auch selbstständig so finden würde oder wie er sich überhaupt aufführen würde, keinen Plan!

Ich hatte den ersten Freigang extra auf einen Freitag gelegt, weil ich da immer frei habe und im Notfall 3 Tage lang Zeit hätte, ihn zu suchen, bis ich wieder arbeiten musste 😋😅. Noch dazu hatte ich mir (etwas blauäugig, wie sich für mich etwas später herausstellte) ein GPS-Halsband beschafft, um wenigstens Anfangs einen Plan zu bekommen, was er wo da draußen macht.

Wie gewohnt startete unser Morgen um 5:00 Uhr aber anstelle eines Frühstücks und Spielrunde gab es diesmal ein etwas hektisches Anlegen des Halsbandes und dann…. auf die Tür!

Und ich muss sagen – der war zuvor schon Freigänger, mit 100% Sicherheit!

Ich hatte mich zuvor natürlich eingelesen über die Gefahren für Freigänger und wie der erste Freigang üblicherweise abläuft. Normalerweise sind die Tiere dann sehr vorsichtig und entfernen sich nicht weit, manche machen sogar sofort kehrt und gehen zurück in die Wohnung. Nicht so Haru!

Ich habe es mit dem Handy gefilmt: zuerst natürlich erst einmal außen die Brüstung abgelaufen (🤦‍♀️😱) und dann… naja, das Video ist keine 5 Minuten lang und danach war er erstmal für eine halbe Stunde verschwunden.

Ich natürlich schon etwas Blut und Wasser geschwitzt und auch mal mit der Leckerlidose aus der Wohnung gegangen um ihn vielleicht draußen zu sehen / treffen. Aber keine Chance und ich wollte auch nicht dass er zurück in eine leere Wohnung kommt… also wieder zurück in die Wohnung. Dann aber gesehen dass Katzenkot direkt vor der Nachbarshaustür lag. Ich war mir sicher dass es nicht Haru’s war (weil er gerade erst noch in der Wohnung auf dem Klo war und nur maximal alle 12h Kot absetzt), aber ich wollte auch keinen Stunk mit den Nachbarn heraufbeschwören weil an dem Tag des ersten Freigangs Katzenkot direkt vor ihrer Haustür lag. Also das dann noch schnell weggeräumt, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf „Was, wenn er jetzt zurück kommt und ich bin nicht da?!?!“.

Die ganze Aufregung stellte sich natürlich als übertrieben heraus: er kam nach der ersten halbe Stunde mehrmals wieder vorbei, deutlich voller Adrenalin und aufgeregt, aber ich würde sagen, freudig erregt.

Nach einer Stunde schloss ich bei seiner letzten Rückkehr die Balkontür und nahm ihm das Halsband wieder ab, was er auch schnell als Signal verstand dass es nun erstmal aus war mit dem Freigang. Er war eh total aufgedreht und dreckig, also gut beschäftigt mit putzen und danach viel schlafen, um das alles zu verarbeiten.

Danach bastelte ich den Zugang auf dem Balkon wieder zu und wir waren am Nachmittag nochmal dort. Aber es stellte sich heraus dass Haru das gar nicht toll fand und er versuchte schnell wieder den Zaun hinauf zu klettern. Also wieder rein mit ihm und klare Ansage von mir: raus heißt Freigang, Tür zu heißt Wohnung pur. Gesicherter Balkon ist wohl nicht mehr möglich #seufz.

Aber wenn sich das Einspielt mit dem Freigang, die Nachbarn / Vermieter nicht Stunk machen und ich wieder auch etwas für mich leben darf… dann stehen die Aussichten gut, dass ich ihn nicht zurück ins Tierheim geben muss! 😁👍

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