Verhalten

Die Geschichte mit der (ersten) Maus….

Hier muss ich ein wenig weiter ausholen um das ganze Umfeld darzustellen.

Also Haru adaptierte zu dem Freigang ja wie ein Fisch im Wasser. Und da Katzen bekanntlich ja eher dämmerungsaktiv / nachtaktiv sind, wollte er auch gerade dann am liebsten raus. Ich jedoch wollte nicht mehrfach in der Nacht aufstehen um den Katzer rein- und raus zu lassen, wie es dem Herrn beliebt. Habe ich ein paar Nächte gemacht (einfach, weil ich ihn nicht bei Gewitter oder Regen draußen lassen wollte), aber ich brauche auch meinen Schlaf. Ich spielte schon mit dem Gedanken, die Balkontür meiner Mietwohnung nachzukaufen und bei der Kopie dann eine Katzenklappe einbauen zu lassen. Damit könnte er dann rein und raus wie es ihm beliebt ohne mich als Türvorsteher. Soviel zu „Vorgeschichte A“.

„Vorgeschichte B“: Ich hatte zum Ausprobieren mal ein paar Kaustangen aus getrocknetem Bio-Geflügel gekauft. Wäre ja gut für seine Zähne, wenn er an diesen herum nagen würde. Das Interesse blieb jedoch ziemlich aus, weswegen ich den Kaustab nach erstem Beschnuppern neben den Fressnapf legte, für den Fall, dass er später probieren wollte.

So, also es war ein Mittwoch und an diesem besonderen Tag war ich zu einem Arbeitskollegen-Grillfest am Nachmittag eingeladen, was ich dann auch besuchte. Das hatte natürlich zur Folge, dass ich Herr Kater nicht wie bis dahin gewohnt ab ca. 15 Uhr rauslassen konnte, sondern ich war erst um 19 Uhr wieder daheim. Dementsprechend hatte ich ein schlechtes Gewissen ihn nur 2 Stunden Auslauf geben zu können bzw. wusste, dass ich keine ruhige Nacht haben würde, wenn er nach so kurzer Zeit wieder drinnen bleiben sollte (ich bin sehr geräuschempfindlich und er kann erstaunlich penetrant und mit viel Durchhaltevermögen jammern!).

Und weil es eine so schöne, laue Sommernacht war (und ich langsam auch keine Lust mehr hatte mich wegen eventuellem Insektenüberfall Sorgen zu machen), entschloss ich mich die Balkontür einen Spalt offen zu lassen, sodass er rein und raus konnte nach Bedarf (und ich weiterschlafen konnte). In der Nacht hörte ich ihn auch im Halbschlaf mehrmals rein und raus kommen, aber das Experiment verlief so gut dass ich in der 2. Nacht wieder die Balkontür auf ließ (und die Pläne für Balkontür-Kopie mit Katzenklappe verfestigte). In dieser Nacht hörte ich ihn dann einmal aufgeregt rein kommen und dann erstmal ein paar Spielgeräusche im Gang (der Fotovorhang hing dort immer noch und war beliebter Spielplatz) und etwas später Knackgeräusche. Ich freute mich noch, dass er nun doch den Kaustab für sich entdeckt hatte und schlief weiter.

Am nächsten Morgen stellte ich jedoch fest (während Herr Kater noch auf Achse war), dass der Kaustab immer noch neben der Fressschüssel lag…. Beim Vorhang konnte ich keinerlei Reste von irgendwas entdecken (dachte schon, dass er dann vielleicht wieder irgendeinen Müll zum Spielen mitgebracht hatte). Nun ja, ich hatte ja keine weiteren Hinweise was in der Nacht passiert war, also weiterhin den Morgen genossen. Haru kam dann auch bald wieder vorbei… mit Überraschung!

Er huschte an mir vorbei und ich konnte nur erkennen, dass er irgendwas Kleines, Braunes im Maul hatte und dachte nur noch: oh nein…!

Nun gut, er wieder zum Vorhang und ich schnell hinterher und gleich mal alle Türen im Gang geschlossen. Meine Befürchtung stellte sich als korrekt heraus und er hatte eine Maus mitgebracht. Natürlich noch lebend, um dem Ganzen eine besondere Würze zu verleihen. Und natürlich flüchtete das arme Tier nach kurzer Schockstille erstmal HINTER die Kommode. Ja…. ok…. was jetzt tun?

Ich hätte Haru (der ziemlich erregt war, weil hey, Maus!!!) aus dem Raum scheuchen können und dann versuchen die Maus selber zu fangen, aber mal ehrlich, ich hatte nicht viel Lust eine verängstigte (und damit bissige) und eventuell mit Krankheitserregern behaftete Maus in meiner Wohnung zu jagen und ich hatte einen motivierten Meisterjäger direkt zur Hand… Ich habe dann die Kommode zur Seite gerückt und Haru hatte die Maus in Sekundenbruchteilen wieder sicher im Maul. Aber jetzt? Ich wollte die Maus aus dem Haus haben, aber die Wahrscheinlichkeit war recht groß, dass, sollte ich jetzt die Wohnzimmertür wieder öffnen um zum Balkon zu kommen, der Herr Kater die Maus vielleicht dort nochmal frei ließ und ich das Ding dann in einem deutlich größeren und mit Verstecken strotzendem Raum hätte. Aber ich wollte auch nicht, dass er die Maus jetzt im Vorraum verspeist und dann überall Blut und Innereien von Maus rumliegen…

Schlussendlich gelang es mir mit freudigem, aufgeregtem Rufen Katze samt Maus direkt vom Vorraum durchs Wohnzimmer auf den Balkon zu locken. Dann schnell Tür zu und voila, Katz und Maus immerhin schon mal außerhalb der Wohnung, yay! Jetzt konnte ich mal durchatmen und überlegen wie ich weiter vorgehen sollte.

Ich versuchte ihn ohne Maus wieder ins Haus zu bekommen damit ich dann den Nager in Ruhe einfangen oder entsorgen konnte, aber er war auf 180 und das ging gar nicht. Er spielte die Maus dann leider zu Tode (ja, ich hätte versuchen können sie ihm gewaltsam wegzunehmen und irgendwo wieder frei zu lassen, aber mal ehrlich, er ist eine Katze, dann holt er sich eben die nächste Maus und ich wollte deswegen nicht unsere Beziehung gefährden) und ich entsorgte sie dann mit Einmalhandschuhen in einem Moment wo er abgelenkt war. Er bekam viel Lob von mir weil es ziemlich nützlich ist, die derzeitige Mäuseplage etwas zu dezimieren und er sich sehr brav angestellt hat, eben katzentypisch Mäusefixiert.

Nun konnte ich mir auch vorstellen was er in der Nacht gespielt und geknackt hatte…. Nach genauerer Untersuchung habe ich auch Blutspuren auf der Rückseite des Vorhangs gefunden, dieser kam also direkt in die Wäsche.

Dieses Erlebnis beendete abrupt meine Träume von Katzenklappe und unbeaufsichtigtem Zugang zur Wohnung. Denn noch gibt es keine Katzenklappe die erkennt ob die Katze mit oder ohne Beute zurück in die Wohnung will 😜.

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